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taz Berlin, 16. September 2006
Hinein ins Offene, Freunde!
Endlich wieder fantastisch wahnwitziger Spaceopernpop: Am Freitag hatte die zweite Staffel der Opernsaga „Kommander Kobayashi“ in den Sophiensælen Premiere und fand in ihrer zweiten Hälfte zur Anbetungswürdigkeit der Pilotfolgen zurück Das Universum schlägt zurück. Skrupellos überträgt es Veränderungswellen, die von Moskau aus das All durchrütteln. Die Hermenauten sehen verzweifelt alle Gewissheiten explodieren und schicken ihren Kommander los, um wieder Ordnung zu bringen in den üblen Hort der Kontingenz. Der Kommander in Moskau aber staunt nur und überlässt das regelnde Durchgreifen gern einem in höchsten Countertenortönen tirilierenden Discoparty-Freak. Später kommt es noch dicker: Den so dringlich nach Ziel und Sinn und Halt suchenden Hermenauten kommt ihre Libido in die Quere. Eine akustische Droge setzt sie frei und plötzlich können die Raumfahrer nicht anders, als ihr heimlichstes Begehren auszuleben: Sie erfinden neue Wirtschaftssysteme, die die Erde zu einem besseren Platz machen, werden sexsüchtig. Der Steuermann gibt erleichtert singseufzend alle Verantwortung ab, und das nichtmenschliche Puzzletier an Bord will alles und jeden an- und ausschalten, via Fernbedienung. On/off. Am Ende bedeutet das für das ganze böse Universum: Off. Hä? Willkommen zurück in der schwerelos monumentalen, sinnlos bedeutsamen und zielgerichtet willkürlichen Welt von „Kommander Kobayashi“! Nach anderthalb Jahren Kobayashi-Pause heißt es in den Sophiensælen endlich: Start von Staffel 2 der Opernsaga. In einer „Pilotfolge“ waren im Januar 2005 die vier raumfahrenden Hermenauten (sämtlichst brillant: Hanna Dóra Sturludóttir, Daniel Henriks, Sibylle Fischer, Eiko Morikawa), eingeführt worden, die sich mit ihrem Kommander (being himself: Soichi Kobayashi) auf einer „rätselhaften Suche oder Flucht durch Raum und Zeit“ befinden. Was außerdem bereits geschah: Kommander Kobayashi sang unter Sternen, verlor dabei sein Zentrum und wurde zu einem unentscheidbaren Kosmos. Die Hermenauten fanden das Missing Link ihrer großen Mission in Form einer kleinen Plüschkuh, und das Orchester streichelte Kuscheltiere. Alles das war ganz zauberhaft gewesen: Jede Pilotfolge und beide Teile von Staffel 1 geschrieben von einem anderen Komponisten, neue Opernmusik, richtig spannend. Ein wildwuchernder Plot, reizend überkomplexe Charaktere, die Texte im Booklet liebevoll und aberwitzig. Spaceopernpop, entstanden in einem Philosophieseminar über Postmoderne und Sciencefiction, dabei aber ohne High-Brow-Gedöns. Und ein Ensemble, das sang und spielte, als gäbe es kein Morgen. Ganz große Sache also. Jetzt hat die freie Opernkompagnie Novoflot unter der Regie von Sven Holm also Staffel 2 mit zwei Teilen auf die Beine gestellt: „Die Zerstörung von Moskau“ (Komposition: Sergej Newski) und „Scream You“ (Komposition: Aleksandra Gryka). Ersteres enttäuschte. Der Plot zu schnell entwickelt, die Inszenierung zu illustrativ konkretistisch: Beklagen die Hermenauten die aus Moskau herrührenden inkommensurablen Veränderungsschübe, flickern über die Videoleinwand Bilder vom heutigen Moskau Werbeplakate mit Models, Einkaufspassagen, dicke Limousinen. Steht im Libretto etwas von Intimitätsrausch zwischen Hermenaut und Gestaltwandlerin, liegen die beiden am Boden und trinken Wodka. Der Ort, an dem Kontrollfreak Pawlowitsch an der totalen Überwachung arbeitet, heißt allzu eindeutig „Club Mausoleum“. Der zweite Teil aber riss alles wieder raus, hinaus ins fantastisch Offene. Die Darsteller hatten wieder Raum für ihre Sing- und Spielfreude. Die Hermenauten waren wieder maximal differente und deswegen beständig aneinanderrasselnde Subjekte, mit einer Musik im Rücken, die ihnen mit Witz zuarbeitete, statt ihnen eine Partitur zum Abarbeiten aufzubürden. Und der von alldem immer herrlich unbeeindruckte Kommander Kobayashi selbst? Fand Gefallen an polnischen Heimatliedern. Was für eine tolle Art, Oper zu machen. Zum Glück ist Staffel 3 schon in der Mache, weil: Seriensuchtgefahr. Kirsten Riesselmann |
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Tagesspiegel, 17. September 2006 OPERNSAGA
Als Parabel entpuppt es sich schnell Es spricht für Tobias Dusche, dass ihm Dinge einfallen wie der Dialog mit der Motorzentaurin (halb Mensch halb Harley): „Halt dich hier fest“ ruft sie. „War das dein Fuß“ fragt Raumfahrer Ma’. „Nein, mein Pedal,“ sagt die Motorzentaurin, „den Fuß stell hier ab. „Was ist das“ fragt Ma’. „Ich.“ „Und hier?“ „Auch ich. Alles ich. Fass richtig an. Halt fest.“ Fügt man Passagen wie dieser Wesentliches hinzu, wenn man sie mit sparsamen szenischen Mitteln in den Sophiensälen auf die Bühne bringt? Eher nicht. Kann man sie so richtig verderben, wenn man sie mit todernsten Experimentalklängen singend dekonstruiert? Genau das ist passiert. Statt sich auf die Comicästhetik von Dusches Libretto „Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung“ einzulassen, mauert sich Sergej Newski zu sehr in seiner eigenen Klangästhetik ein und kürzt auch noch die Handlung bis zur Unverständlichkeit. Zum Glück ist die Kurzoper nur ein Teil der neuen Staffel von „Kommander Kobayashi“. Die Opernsaga, die letztes Jahr von der freien Operntruppe Novoflot gestartet wurde, zeigt nämlich an jedem Abend zwei Folgen. Für „Scream you“ Dusches zweites Libretto zeichnet dabei die polnische Komponistin Aleksandra Gryka verantwortlich. Auch sie findet keine wirklich überzeugende Antwort auf die spacigen Klischees, mit denen Dusches Raumfahrtepos geschickt jongliert. Aber zusammen mit dem erfreulichen Sängerensemble und dem Ensemble Mosaik verrät sie Talent für prägnante Charakterisierung und hat wohl auch Spaß daran, die Handlung zu erzählen. Die sich ziemlich schnell als böse Parabel über ein von populistischen Zwillingen regiertes Gemeinwesen entpuppt. Carsten Niemann |
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Neues Deutschland, 16. September 2006 Schwerelose Oper
»Kommander Kobayashi« Für manche vielleicht an den Grenzen des Gewohnten. »Kommander Kobayashi« hat wenig mit einer klassischen Oper zu tun: Neue Musik, Leinwände, auf der sich Zeichen häufen, Darsteller, die in Fernseher glotzen, absurde Prosa, Gesänge, eingebunden in eine Science-Fiction-Handlung. Mit dem Projekt »Kommander Kobayashi« sucht und testet die freie Opernkompanie Novoflot neue Produktionswege und Konzepte für die zeitgenössische Oper. Dafür wurde ein neues Format entwickelt: die Opernsaga. Letztes Jahr gab es die erste Staffel zu sehen. Jetzt zeigen die Sopiensaele an einem Opernabend die zweite Staffel mit den Teilen »Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung« und »Scream you« (in englischer Sprache). Regie führt Sven Holm. »Kommander Kobayashi« ist eine Oper, die so merkwürdige Assoziationen auslösen kann, wie »durchbrochene Netze« oder »Löcher auf Linien«; sogar Zweifel säen kann, ob das Verhältnis von Ursache und Wirkung wirklich immer so eindeutig ist. Denn »Kobayashi« und sein Team sind Hermenauten. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus Hermeneutik und Astronaut, das Team im Raumschiff »La Fenice« (der Name einer Oper in Venedig) ist also in Sachen Deutung und Auslegung unterwegs. Das Universum der Hermenauten bietet wenig Stabiles, selbst der Raum der Subjekte hat keinen festen Kern. Die Bordbesatzung setzt sich unentwegt mit der Auslegung des Willens ihres Kommandeurs auseinander. Der wird gesungen von dem japanischen Tenor Soichi Kobayashi. Was auf der Bühne gezeigt wird, ist eine gelungene Mischung aus Oper, Science-Fiction und Diskursen. Im All verändert sich auf einmal alles, von irgendwo her müssen die Impulse kommen. Die Hermenauten mit »Ma« (Daniel Henriks), »Go« (Hanna Dóra Sturludóttir), »Tii« (Eiko Morikawa) und »Scrabble« (Sibylle Fischer) machen die Ursache in Moskau aus. In »Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung« trifft »Ma« auf einen größenwahnsinnigen Machtprotz. Und in »Scream you« bekommen es die Hermenauten mit den Twins zu tun, einer Art Viren, die sich überall einnisten und die Kontrolle übernehmen wollen. Ihr Wirkstoff ist der Schrei. Diese schräg und zugleich tiefsinnige Aktionen werden von den entsprechenden Tönen begleitet: Neue Musik mit reichlich Dissonanzen, sehr gut gespielt. Dirigiert wird das gut besetzte Orchester von Vicente Larrañaga. »Kommander Kobayashi« und sein Team treiben durch eine Galaxie des Nichtwissens. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit entsteht. Robert Meyer |
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Klassik in Berlin, 16. September 2006 To be continued
Die zweite Staffel von Kommander Kobayashi in den Sophiensælen Kommander Kobayashi und seine tollkühnen Hermenauten sind zurück! Noch immer durchreisen sie in ihrem Raumschiff La Fenice das All, und noch immer stürzen sie dabei von einer Extremerfahrung in die nächste. Nachdem die freie Opernkompanie Novoflot um Regisseur Sven Holm im Januar 2005 die erste aus drei Folgen bestehende Staffel ihrer Opernsaga Kommander Kobayashi mit großem Erfolg in den Sophiensælen in Berlin vorgestellt hatte, gibt es anderthalb Jahre später am selben Ort nun endlich die versprochene Fortsetzung zu sehen. (…) Bei der Auswahl ihrer Komponisten hat das Team von Novoflot wieder ein gutes Händchen gehabt. Die Musik sowohl von Newski als auch von Gryka ist spannend zeitgenössisch und gleichzeitig angenehm anzuhören. Sie ist witzig und geistreich, und obwohl sie teilweise mit Wiederholungen und kleinen Variationen arbeitet, wird sie nie langweilig. Gemäßigte Atonalität und die Benutzung von Vierteltönen stehen neben Zitaten traditioneller Formen bzw. deren Verarbeitung etwa in Kobayashis polnischem Volkslied, dessen Fragmente mit der neu komponierten Musik verwoben sind. Die Besetzung des kleinen aber feinen ensemble mosaik unter der bewährten Leitung Vicente Larranagas besteht nicht nur aus „klassischen“ Instrumenten. Boris Baltschun ist mit dem Laptop für Samples zuständig: Einmal tritt er solistisch hervor und lässt Sergej Pawlowitsch allein zu Clubmusik tanzen, sonst bleiben die elektronisch erzeugten Geräusche im Hintergrund, eingebettet in die Klänge der Streicher und Bläser. Dennoch bestimmen sie stark die Atmosphäre des Abends. Die Opernsage lebt von den absurd-liebenswerten Charakteren, dem undurchsichtigen Kommander Kobayashi und seinen Hermenauten Ma', Tii!, Go und Scrabble. Die um diese Figuren herum konstruierten Geschichten werden nicht um ihrer selbst Willen erzählt ihre Funktion besteht hauptsächlich darin, die aus der ersten Staffel bekannten Eigenschaften und Schrulligkeiten der Hermenauten liebevoll weiterzuentwickeln und neue seltsame Charaktere einzuführen. Das lässt die Handlung an einigen Stellen beliebig erscheinen, doch das stört nicht weiter, denn die vielen schönen und absurden Einfälle machen trotzdem Spaß, und auch die musikalische Umsetzung des Abends funktioniert in dieser vierten Vorstellung hervorragend. Die Darsteller allen voran als Hermenauten Hanna Dora Sturludottir (Go), Daniel Henriks (Ma'), Sibylle Fischer (Scrabble) und Eiko Morikawa (Tii!) begeistern durch Spielfreude, Humor und großartige sängerische Leistungen. In den Episodenrollen sind Judith Kamphues (Laika) und Kaspar Kröner (Sergej Pawlowitsch) zu sehen, und last but not least Soichi Kobayashi in der Rolle des gleichnamigen Kommanders. Eine würdige Fortsetzung der Opernsaga. Nora Mansmann |
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Tygodnik Powszechny, 15. Oktober 2006
Surdut i sandaly
Ewa Szczecinska: „(…) Zuletzt die Musik von Alexandra Gryka für die Oper „Scream You“ ich bin der Meinung sie entwickelt sich zu dem Namen der jungen Musik. Gryka erweist sich der großen Gattung Oper gewachsen … sie zeigt sich als eine erfahrene Komponistin, die ihren sehr individuellen Stil zu wahren versteht.“ Daniel Cichy: „,Scream You‘ beweist Grykas Faszination für urbane Zivilisation, die Wissenschaft und die Zukunft. Zunächst war da Stanislaw Lem (das Ballett „Alpha Kryonia XE“) nun haben wir es mit einer Science Fiction Erzählung zu tun, über Ankömmlinge aus dem Kosmos, die die Erde heimsuchen. Der Autor Tobias Dusche hat ein Stück über ein Warschau geschrieben, das beherrscht ist von einem Zwillingspaar, das über ‚Lärm‘ verfügen kann. Sie nutzen hierfür das titelgebende ‚Scream‘ ein Geräusch, das Hirnwäsche verursachen kann um sich der übrigen Besatzung der Oper zu bemächtigen. Ich muss zugeben, das politische Engagement Grykas hat mich überrascht. Und die Musik? Sie ist wunderbar, zusammengesetzt aus kurzen, einer eigenen Farbgebung folgenden Nuancen, die oft aufsteigend und brutal sind - das Ohr des Zuhörers reizen. Diese bilden zusammen mit akustischen Elementen aus der städtischen Geräuschkulisse eine geschlossene und gleichzeitig gespannte Erzählung.“ Ewa Szczecinska: „Gryka ist eine komplizierte Persönlichkeit ebenso wie Ihre Musik. Neben einer Brutalität der Geräusche wie dem Abfall der städtischen Zivilisation entnommen hört man Weichheit, Lyrik und Sanftheit. Ich habe das schon in ihren früheren Kompositionen beobachtet. In der Oper aber sehe ich diese spezifische Lyrik besonders in einigen vokalen Passagen. In den Frauenstimmen, in den Zusammenklängen war nicht eine Spur Brutalität. In ihrer Musik findet sich zugleich eine große Hingabe an Technologie und Wissenschaft als auch an Überempfindsamkeit. |
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Gazeta Wyborcza, 21. September 2006
Science Fiction z bilzniakami
(…) Wären die drei Deutschen Sven Holm, Tobias Dusche und Sebastian Bark vor zwei Jahren nach Warschau gekommen, wäre sicher eine ganz andere Oper entstanden. Sie sind aber genau dann gekommen, als die ganze Stadt über die Affäre sprach, die durch die Schließung des Clubs „Le Madame“ verursacht wurde. Die Schließung eines Clubs aus politischen Gründen konnten sie nicht fassen, ähnlich wie das Verbot der „Rownosc“ Parade erzählt die Komponistin Aleksandra Gryka , sie wollen Intoleranz nicht verstehen. |
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Rzeczpospolita, 4. Oktober 2006 (…) Gekonnt dosiert Gryka die Spannung, nie überschreitet sie die Grenze des guten Geschmacks mehr noch: sie erzählt Wichtiges. Trotz eindeutiger politischer Anspielungen durch die Figuren eines Zwillingspaares, das alle mit der akustischen Droge „Scream“ betäubt, verfügt die Komposition über eine überzeitliche Sprache. Immer finden sich Menschen, die versuchen werden uns zu manipulieren, eine einzig gültige Vision von der Welt durchzusetzen oder uns mit Ideologie einzulullen. In Grykas Oper unterliegen beinahe alle Besatzungsmitglieder dem Einfluss der Zwillinge. Zum Glück schaltet der Pilot das einzig standhafte Mitglied der Besatzung ihre Existenz aus und alles kehrt zurück zur Normalität. Allerdings nur vorläufig, denn begeistert von der Macht des Geräts schaltet er einen Moment später die ganze Welt aus.“ |
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Luxemburger Wort, 10. Oktober 2006 „Star Wars“ mit Falsett
Die Opernsaga „Kommander Kobayashi“ in der Schmëtt (…) Der russische Komponist Sergej Newski bescherte uns den ersten Teil, „Die Zerstörung von Moskau ist keine Lösung“. Von allen Seiten hallen, wobei die hohen Noten dominieren, Opernstimmen herein. Beim Ritt durch das nächtliche Moskau mit der Hündin Laika (Judith Kamphues) wird der stimmgewaltige Bassist Daniel Henriks gar wagnerisch, wozu seine drei Mit-Hermenautinnen die Rheinnixen mimen. Disko-Rhythmen schmettert der falsettierende Beherrscher der Moskauer Unterwelt, eine schillernde Mischung von Robbie Williams und Jürgen Kowalski (Kaspar Kröner). Während die „Gewissheiten explodieren“, tappen die Hermenauten auf der unbeirrbaren Suche nach richtigem „Vorgehen“ an Diaprojektionen von Sperlingsbergen und Metrostationen vorbei. Konsequent wahren sie den Kontakt zu dem Orchester, dessen Kommentare knapp und gezielt bleiben. (…) Im Großen und Ganzen eine ausgefeilte und stimmige zeitgenössische Tonsprache. Von der Polin Alexandra Gryka musikalisch gestaltet führt die zweite Etappe, „Scream You“, das Raumschiff La Fenice nach Warschau. Dieser Opernritt erscheint fließender und, da mit Humor angereichert, auch zugänglicher (…) Die anspruchvollste Vokalpartie hat ohne Zweifel Eiko Morikawa. Als Tii! spielt sie eine zapplige Coppelia und darf dabei ihre ariosen Ansätze nur in abgehackten Einsilbern herausschleudern. Um Tii! und ihre Gefährten zum Schweigen zu bringen kommt der Android Scrabble (Sibylle Fischer) auf eine geniale Idee: Mit einem Knopfdruck auf die Fernbedienung löscht er nicht nur die mysteriösen Zwillinge, sondern gleich das gesamte Universum aus. Was wohl der Raumfahrer-Opernsaga ein spektakuläres, aber definitives Ende bereiten dürfte … oder etwa nicht? Wer jetzt der Meinung ist, dass das alles doch nicht sehr logisch klingt, nun, der kann sich ja die Frage stellen, ob unsere Welt von Logik zusammengehalten wird … André Link |
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Saarbrücker Zeitung, 10. Oktober 2006 Die Hermenauten sind mit uns
Luxemburg: Opernkompanie Novoflot erfindet Opernsaga „Draußen explodieren die Gewissheiten!“, meldet das Raumschiff nach Moskau, wo Kommander Kobayashi versuchen soll, lästige Veränderungsschübe anzuhalten. Hä? Nicht nur da draußen explodieren Gewissheiten sondern auch drinnen, im Théâtre National du Luxembourg. (…) Je 45 Minuten dauern die Kurzopern, die alles, was man über Oper zu wissen meinte, umstoßen. Das zehnköpfige Orchester ist mit Schlagzeug und einem Mann am Mischpult ausgestattet. Während Teil eins blass bleibt, begeistert Teil zwei, in dem sich die sieben Darsteller gegenseitig an die Wand singen und spielen. Eine akustische Droge nistet sich auf dem Raumschiff ein, die die Hermenauten süchtig danach macht, ihre geheimsten Begierden auszuleben … |
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