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Kölner Stadt-Anzeiger über Novoflot- Wir sind so frei #3 Die 10. Sinfonie

Ein den Raum einbeziehendes Oratorium mit szenischen Schnittstellen (Regie: Sven Holm), das auch durch seine stilistischen Sprünge an die Musikrituale Bernd Alois Zimmermanns erinnerte….
Den größeren Teil des Soundtracks füllten Neukompositionen von Michael Wertmüller und Texte der Berliner Autorin Gesine Danckwart, die sich Beethoven mit poetischen wie essayistischen Mitteln näherte – und an Zentralbegriffen wie „Freude“ durchaus erkenntnisstiftend abarbeitete. Wertmüllers hochvirtuos komponierte Partitur wirkte wie ein Traumflug über Epochen und Stile; es gab berückende Gesangs- und Streichquartett-Passagen in kunstvoll verschmierter Fin-de-siécle-Harmonik, aber auch vitale Breitseiten zweier Bands auf der Bühne.
Was das nun alles sagen wollte, wurde nicht wirklich klar. Eindrucksvoll war es trotzdem – vor allem wegen der großartigen Leistungen der vom Dirigenten Vicente Larrañaga souverän geführten Kräfte, die mit höchster Konzentration und flammendem Einsatz bei der Sache waren. Auch wenn das philharmonische Gastspiel mit Sicherheit anständig honoriert war: Man mag kaum darüber nachdenken, welche Bereitschaft zur Selbstausbeutung vonnöten ist, damit eine freie Truppe wie Novoflot ein solches Projekt stemmen kann. 

Kölner Kurier über Novoflot – Wir sind so frei #3 Die 10. Sinfonie

Ein bärenstarker Mann, der zwei seiner Mitspielerinnen sinnfrei von einem Platz zum anderen trägt wie Schachfiguren. Kurzum: Die leere Fläche wird in ein eigenes Raumkonzept integriert. Immer ist da etwas in Bewegung, zieht Blicke auf sich, kommen Stimmen und Instrumentaltöne von irgendwoher. Dazu stehen Bildschirme umher mit – durch die Musik verzerrten – Aufnahmen……
Das musikalische Gesamtkonzept sieht Tanz vor und bringt klassische- und rockmusikalische Instrumenten-Ensembles und drei ausdrucksstarke weibliche Solostimmen (Rebecca von Lipinski, Sara Hershkowitz, Christina Daletska) zusammen. Im musikalischen Zentrum des sehr experimentierfreudigen Stücks stehen aber die beiden treibenden Schlagwerke, kein Wunder vielleicht, ist doch Komponist Michael Wertmüller selbst Drummer.…….
Fazit: Es gibt treibenden Rock, einfühlsames Violinspiel, mitreißende Arien, alles in unkonventioneller Abfolge. Manch einer mag das, was Regisseur Sven Holm und der musikalische Leiter Vicente Larrañaga da zusammengestellt haben, als schräg, ja durchgeknallt oder gar Überforderung empfunden haben. Am Schluss aber wird die Produktion von den Besuchern ordentlich gefeiert.
 

Fabian Czolbe, JetztMusik (SWR2) 31.03.2020 – Wir sind so frei #1 Fidelio