Nationaloper

NOVOFLOT

Nationaloper von novoflot

In Zusammenarbeit mit Kretakör (Ungarn) und kraut_produktion (Schweiz)

Berlin, September 2015 – Nationaloper. Ein Wort wie drei Ausrufezeichen! Doch was genau bezeichnet es? Ein Gebäude? Eine Komposition? Ein Kulturerbe? Nichts von alledem…? Nach der Wiederaufführung und Überschreibung der ersten und einzigen futuristischen Oper „Der Sieg über die Sonne“ (2013) und der auf improvisierten Musiktheaterformen basierenden „T-HOUSE-TOUR“ (2014/15) fragt NOVOFLOT in seinem neuesten Opernprojekt nach dem Verhältnis von Kunst und Nationalbewusstsein. Genauer gesagt: nach der Beschaffenheit nationaler Kulturdenkmäler aus dem Bereich des musikalischen Theaters und deren Bedeutung für gesellschaftliches Empfinden und Verhalten. Macht das Vorhandensein von Nationalopern eine Bevölkerung zu einer nationalistischeren Bevölkerung? Und wenn ja, warum? Weil man gemeinschaftlich ein Kunstwerk liebt, die überlieferten Geschichten aus der Heimat und die damit verbundenen unsterblichen Melodien? Weil ein auf solche Weise geteilter Kulturbesitz Identifikation stiftet und Stolz und Abgrenzungsfreude? Mag sein. Genauso möglich aber wäre, dass die Bedeutung nationaler Musikkulturgüter propagandistischen Ursprungs ist, abgekoppelt vom Kunstwerk, allein dazu dienend, Nationalbewusstsein zu schüren und dieses politisch zu verwenden. Sicher ist: Die Antworten sind komplizierter (oder einfacher, was absolut erschreckend wäre) und in keinem Fall leicht zu haben. Umso weniger zu einer Zeit, in der sich europäisches Nationalempfinden auf zutiefst verschiedene Weise zeigt oder versteckt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund initiiert NOVOFLOT ein ungewöhnliches Experiment: Nicht eine Nationaloper gerät zum Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung, sondern drei. Nicht eine Kompanie allein stellt sich der Beschäftigung mit musikalischen Kulturerbschaften, sondern drei. Erstmalig verbindet Novoflot an einem Abend gleich drei Inszenierungen von drei Ensembles aus drei verschiedenen europäischen Ländern zu einem Zyklus von bisher unbestimmter Spieldauer. Während Novoflot sich dem „Freischütz“, und damit der angeblich deutschesten aller deutschen Opern von Carl Maria von Weber zuwendet, erkundet der ungarische Regisseur Arpad Schilling (gemeinsam mit Mitgliedern der von ihm gegründeten Gruppe KRETAKÖR) die Dimensionen der berühmtesten ungarischen Oper „Bank Ban“ von Nationalkomponist Ferenc Erkel. Überschattet werden diese Ereignisse von einer Nationaloper der besonderen Art: die Zürcher Gruppe kraut_produktion verdichtet (mangels Existenz eines nationalen Musiktheaterwerks) die den Auswüchsen rechtspopulistischer Tendenzen und dem System der direkten Demokratie geschuldeten Wirren um die anstehende Neugestaltung der Schweizer Nationalhymne zur ersten eidgenössischen Nationaloper(ette). Alle drei Inszenierungen werden an einem Abend zu sehen sein. Sie werden Auskunft darüber geben, wie nationale Theaterensembles auf nationales Kulturgut blicken, und was es heißt, wenn diese sehr verschiedenen Sichtweisen unmittelbar aufeinandertreffen.

NATIONALOPER wird Ende September 2015 mit einer von Novoflot inszenierten Ouvertüre eingeläutet.
Ein Auftakt, der zum Ausflug gerät an einen sehr ungewöhnlichen Ort in Berlin, dorthin, wo die legendäre Freischütz-Familie ihre nationale Ursuppe kocht und sich einmalig und ausnahmsweise dabei beobachten lässt. Aus angemessener Distanz. Und zu einem Zeitpunkt, an dem der Komponist Carl Maria von Weber noch weit davon entfernt war, die Koordinaten seiner „Freischütz“-Oper endgültig festzulegen. Beginnend mit diesem Auftakt (NATIONALOPER #1) machen sich ab Herbst 2015 drei frei produzierende europäische Gruppen bereit zur Nationaloper-Sichtung. Sie tun es zunächst in Berlin, Budapest und Zürich, um schließlich im Sommer 2016 im Berliner Radialsystem V und der Volksbühne am Rosa- Luxemburg-Platz zusammenzukommen (NATIONALOPER #2 & #3). Ob diese Begegnung reibungslos verläuft, wird sich zeigen. Vieles hängt wohl davon ab, wer zu welchem Zeitpunkt seine bei der gemeinsamen Projektverabschiedung gegossenen Freikugeln verschießt.

NATIONALOPER #3: Die lange Nacht der Nationaloper (Novoflot & Gäste) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 03. Juli 2016, 20.00 Uhr
Karten unter: www.volksbuehne-berlin.de
030 – 240 65 777

NATIONALOPER #2: Freischütz (Novoflot) – Bánk bán-ACT (Kretakör) – Schweizerpsalm (kraut_produktion) Radialsystem V,  24./25. Juni (19.00 Uhr) und 26. Juni 2016 (18.00 Uhr)
Karten unter: www.radialsystem.de
030 – 288 788 588

NATIONALOPER #1: Ouvertüre (Novoflot)
Abfahrt des Ausflug-Shuttles vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
25./26./27. September 2015 (jeweils um 19 Uhr)
Karten unter: 030-6165 2321 oder www.nationaloper.de

Mit: Maxime Barbasetti, Raphael Clamer, Hans-Peter Scheidegger, Varia Linnea Sjöström, Hanna Dóra Sturludóttir, Yuka Yanagihara, Vertigo Trombone Quartet (Bernhard Bamert, Johannes Lauer (Gast), Jan Schreiner, Nils Wogram), Conny Bauer (Trombone), Chris Dahlgren (Bass), Claudio Puntin (Klarinette), Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin, Resonanz Children´s Choir aus Jakarta – Indonesien und Blasorchester Köpenick

In Kooperation mit RADIALSYSTEM V und Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Gefördert durch die Kulturverwaltung des Landes Berlin, den Hauptstadtkulturfonds, die Rudolf-Augstein-Stiftung sowie im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert-Bosch-Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts. 


Logos Produktion Nationaloper 01

Logos Produktion Nationaloper 02